"Mutter, Vater, erzählt doch mal. Wie war das denn so? So kurz vor meiner Geburt? Was hattet ihr für Ängste und Sorgen? Wie habt ihr euch das Leben mit mir vorgestellt? Wart ihr die ersten in eurem Freundeskreis mit Kindern? Wie haben eure Freunde reagiert?"



Das alles sind Fragen, die ich meinen Eltern in letzter Zeit gestellt habe. Warum? Nun, ich werde selbst Ende September Vater und seit dem gehen mir diese Fragen durch den Kopf. Man kann sagen, dass ich mich seit dem viel mehr mit dem Verhältnis zu meinen Eltern beschäftigt habe als vorher. Leider belaufen sich die Antworten auf "Ach, das ist so lange her, keine Ahnung.", "Das war ja auch eine ganz andere Zeit, damals war das normal". Normal. Damit meint mein Vater, dass er 26 Jahre alt war, als ich geboren wurde. Ganz genauso wie ich 26 bin, wenn mein Sohn geboren wird.

Meine Nachfragen haben allerdings ergeben, dass seine Freunde erst deutlich später Väter wurden. So normal war es dann wohl doch nicht. Man macht sich aber nicht nur um seine Eltern Gedanken. Da unser Kind geplant war, haben wir uns vorher schon etliche Gedanken gemacht. Unter Studenten ist es heute auch nicht "normal" Kinder vor 30 zu bekommen. Das interessierte mich allerdings noch nie.



Wenn man eine Frau gefunden hat, mit der man sich das ganze Leben vorstellen kann, dann ist es nur eine Frage der Zeit bis man auch an das Thema Kinder gerät. Klar war uns beiden schon immer: Kinder? Ja. Unterschiedlich war aber der Zeitpunkt.

Ich hatte mir über den Zeitpunkt nie groß Gedanken gemacht. Klar waren immer zwei Sachen. Zum einen wollte ich eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, um dem Kind finanzielle Sicherheit bieten zu können und zum anderen wollte ich schon immer ein junger Vater werden.

Mein Vater war selbst mit 26 auch jung und ich fand das schon immer gut. Mein Bruder und ich konnten viel mit ihm unternehmen als wir Kinder waren. Wenn man sich aber umschaut, sieht man des öfteren Eltern, die 36 oder älter sind und gerade ein Neugeborenes stolz umhertragen.

Dagegen ist nichts zu sagen. Ich persönlich finde aber, dass das zu spät ist. Wenn man sich ein wenig informiert, dann fällt einem auf, dass Frauen ab 35 schon eine sehr erhöhte Fehlgeburtenrate haben. Dazu kommen stark erhöhte Chancen auf jegliche genetische Defekte. Weitere Studien haben gezeigt, dass die Qualität der männlichen Spermien mit der Zeit proportional abnimmt.



Das sind aber letztendlich alles Kleinigkeiten. Im Endeffekt ist es eine persönliche Entscheidung, dass ich deutlich vor 30 Vater werden wollte. Ich möchte einfach nicht 50 sein, wenn mein 10 jähriger Sohn mit mir Fußball spielen will und ich dann sagen muss: "Ne Sohn, ich hab wieder Rücken!". Außerdem bilde ich mir ein, dass ich als junger Vater auch mehr an dem Kind dranbleibe und die neuen "Moden" eher verstehen kann, als wenn uns 30 oder mehr Jahre trennen. Am Ende ist dies aber jedem selbst zu überlassen.



Warum schreibe ich nun diesen Blog? Ich möchte, dass mein Sohn später meine Gedanken wiederfindet. Ich will ihn nicht sagen müssen: "Du, das war eine ganz andere Zeit." Zu diesem Zweck haben meine Frau und ich uns schon ein Buch besorgt, in das wir wichtige Ereignisse eintragen wollen. Dies wird dem Knaben dann zu passender Gelegenheit übergeben. Ich denke spätestens wenn und falls er selbst Kinder bekommt oder heiratet, wird er sich für solche interessieren. Und wenn nicht? Dann sind es Erinnerungen, die mir nie wieder verloren gehen. So viel zur Einleitung dieses Blogs.



Im nächsten Eintrag gehe ich auf konkrete Gedanken zum Vater werden ein.